Salto mortale rückwärts

Salto mortale rückwärts
oder: Wie Banken das Prüfen wiederentdecken
Also mal ehrlich: Wenn man sich anschaut, was die Banken gerade machen, dann fragt man sich schon, ob da jemand einfach die alten Akten von 1998 aus dem Keller geholt hat. „Empfängerprüfung" heißt das jetzt wieder. Klingt modern, ist aber ungefähr so neu wie das Faxgerät in einer deutschen Arztpraxis.
Früher, also damals, als man noch Überweisungsträger mit Kugelschreiber ausfüllte, wusste die Bank noch, wer Müller und wer Meier ist. Da hat der Mensch hinter’m Schalter noch geguckt, ob die Kontonummer auch wirklich zu dem passt, der da draufsteht. Heute: „IBAN stimmt? Na dann viel Spaß in Litauen."
Und jetzt, 2025, machen wir wieder einen Salto rückwärts. Nur diesmal mit Anlauf, Sicherheitsweste und EU-Zertifikat.
Digitalisierung, made in EU
Natürlich heißt das Ganze nicht einfach „Empfängerprüfung". Das wäre ja zu einfach. Nein, es heißt „Verification of Payee" (VoP). Klingt gleich dreimal teurer, oder?
Und bevor jemand fragt: Nein, das ist kein neuer Song von David Hasselhoff, sondern ein ernst gemeintes Sicherheitsfeature. Die Bank prüft jetzt wieder, ob der Name zum Konto passt. Aber nicht, weil sie’s will – sondern weil Brüssel gesagt hat, sie muss. Und wenn Brüssel etwas sagt, dann dauert’s halt 10 Jahre, bis es hier ankommt. Wie Glasfaser.
Rechtliche Grundlage: EU-Verordnung 2024/886 über Sofortüberweisungen (Instant Payments Regulation), verabschiedet im April 2024.
Der neue alte Fortschritt
Das funktioniert jetzt also so: Du gibst im Online-Banking den Namen und die IBAN ein. Dann prüft ein Computer irgendwo, ob das zusammenpasst. Wenn ja, bekommst du ein grünes Licht. Wenn’s nicht passt, ein rotes. Und wenn der Computer sich nicht sicher ist: gelb.
Ich schwöre, irgendwann stehen wir an der Supermarktkasse, und die Kassiererin fragt:
„Sind Sie der Empfänger?" „Ja." „Dann bitte einmal kurz in die Kamera nicken."
Und das nennt sich dann Fortschritt.
Wie es funktioniert: Das VoP-System nutzt ein „Ampel-System" mit den Ergebnissen „Match", „Close Match", „No Match" oder „Other". Bei „No Match" liegt die Haftung beim Zahler, bei „Match" bei der Bank. (Quelle: BaFin)
Früher war alles … naja, wenigstens überschaubarer
Früher hat man einen Überweisungsträger ausgefüllt, unterschrieben und in diesen kleinen Schlitz im Bankschalter geworfen. Heute klickt man sich durch fünf Warnfenster und bekommt am Ende trotzdem den Hinweis:
„Achtung: Empfängername stimmt möglicherweise nicht exakt überein."
Ja, danke. Vielleicht, weil ich „Jens" mit „y" geschrieben habe? Oder weil der Empfänger seine Konten bei drei verschiedenen Banken hat, und die EU sich gerade noch überlegt, ob der Name „Thorsten" mit „TH" oder „T" beginnt?
Ich seh’s schon kommen: 2026 gibt’s dann die „Empfängerprüfung 2.0" – mit Gesichtserkennung und Atemtest.
Zeitplan: Banken in der Eurozone müssen VoP bis 9. Oktober 2025 implementieren. Banken außerhalb der Eurozone haben Zeit bis 9. Juli 2027. (Quelle: PwC Legal)
Fazit
Wir haben’s geschafft: Nach 10 Jahren Digitalisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz sind wir wieder da, wo wir angefangen haben. Nur dass jetzt ein Algorithmus das macht, was früher Frau Meier hinter’m Schalter konnte – mit einem Blick und einem Kaffee in der Hand.
Aber hey – immerhin heißt es jetzt „Instant Payment". Man bekommt also die Fehlermeldung sofort.
In diesem Sinne: Grünes Licht für den Fortschritt! Oder gelb. Oder rot. Je nachdem, wie der Computer drauf ist.
Weiterführende Links: